Für Schriftsteller

Wie plant man Geschichten mit der 3-Akt-Struktur?

Beitrag 3-Akt-Struktur

Warum sollten Autoren eine Struktur benutzen?

Ich erlebe gerade, wie befreundeten Autoren sich hoch motiviert an die Arbeit machten, nur um nach den ersten Szenen ihr Momentum zu verlieren. Es beginnt damit, dass sie nicht wissen, wie die Geschichte weitergehen soll. Daraufhin zeichnen sich zeitliche Probleme ab und die Motivation schwindet immer weiter und ich befürchte, dass sie mehr oder weniger frustriert aufgeben werden. Das stimmt mich sehr traurig, denn fantastische, lustige oder ergreifende Geschichten mit bezaubernden Charakteren werden nie das Licht der Welt erblicken.

Natürlich nehme ich mich da nicht aus. Ich sehe mich selbst diesem Kreislauf ausgesetzt. Daher kam mir beim Versuch eine länger Geschichte zu entwerfen, die Frage, wie ich das Projekt gliedern könnte um weder Übersicht, noch Motivation zu verlieren. Glücklicherweise muss niemand das Rad neu erfinden. Es gibt diverse Strukturen, derer man sich bedienen kann, denn das Problem ist kein neues und keins, dass nicht alle Autoren kennen. 🙂

Ich zähle mich zu den Menschen, die gerne eine Plan haben, bevor sie sich ins kalte Wasser werfen. 😉 Aber natürlich gibt es auch Unerschrockene, die sich lieber ohne zu zögern ins Abenteuer stürzen.
Dennoch kann ich nur empfehlen wenigstens die folgende Grundstruktur im Hinterkopf zu behalten, bevor man sich an die Ausführung macht.

Wie funktionieren Geschichten?

Die wahrscheinlich geläufigste Struktur, ist die 3-Akt-Struktur. Wir bekommen diese Art bereits als Aufsatzstruktur in der Schule beigebracht. Jeder Aufsatz und jede Geschichte lässt sich in Anfang, Mitte und Schluss gliedern. Die Teile eines sachlichen Aufsatzes beinhalten allerdings andere Punkte, als die einer fiktionalen Geschichte.
Ich werde im Folgenden die grundlegende Gliederung der 3-Akt-Struktur, wie ich sie verstehe und anwende, vorstellen.

Akt Eins: Der Anfang oder Entdecke Problem oder Wunsch

Grob geschätzt macht Akt Eins die ersten 25% des Textes aus. Er stellt den Protagonisten vor und dessen Sicht auf die Welt, sowie das Problem, dass dieser zu lösen haben wird. Etwas im Leben der Hauptfigur macht sie unglücklich, aber sie ist zur Zeit noch nicht in der Lage dieses Problem zu erkennen, oder es anzugehen. Dann passiert etwas, dass eine Möglichkeit auftut, das Leben der Hauptfigur zu verändern. Die Figur kann auf zweierlei Arten reagieren. Entweder sie nimmt die Herausforderung sofort an und stürzt sich ins Abenteuer, oder sie versucht sich rauszuhalten, wird aber dennoch mit in die Geschichte hineingezogen. Am Ende von Akt Eins beginnt für sie die Reise, die zum Höhepunkt des Buches führen wird.
Alles in Akt Eins macht den Leser mit der Welt und deren Charakteren vertraut. Es stellt das Problem vor und legt die ersten Hinweise aus, womit sich die Geschichte in den restlichen 75% beschäftigen wird. Was sicher nicht bedeutet, das dem Leser alles mögliche erklärt werden muss, damit er die Geschichte versteht, sondern vielmehr springt man direkt in die Handlung und erzeugt so Fragen, die im Laufe der Geschichte beantwortet werden müssen.

Akt Eins beinhaltet typischer Weise diese drei Schlüsselmomente:

Eröffnungsszene oder der Angelhaken

In der Eröffnungsszene wird die Hauptfigur anhand eines typischen Problems ihrerseits, in ihrem Setting und mit den Regeln ihrer Welt vorgestellt. Damit der Leser in die Geschichte gezogen wird, muss der Hauptfigur etwas Interessantes passieren. Der Autor wirft also einen Angelhaken aus, der den Leser für die Geschichte einfangen soll. Der Leser muss dazu, die Hauptfigur kennen lernen und sie bestenfalls mögen. Sie muss sein Interesse wecken. Erst wenn der Leser angebissen hat, wird er bereit sein der Figur durch die Geschichte zu folgen.

Auslösendes Ereignis

Das auslösende Ereignis erscheint in Form einer Möglichkeit, sich zu ändern, oder als etwas, das falsch ist, zu korrigieren. Die Hauptfigur ist zuerst unsicher ob sie die Herausforderung annehmen soll, entscheidet sich aber dafür, entweder von sich aus oder weil äußere Umstände sie zwingen.
Das auslösende Ereignis zeigt dem Leser deutlich, das hier ist, worum es in diesem Buch gehen wird. Sie weißt das Kernproblem aus. Auch wenn es im Verlauf der Geschichte größer wird, die Wurzel des Problems keimt bereits hier. Auch wenn die Hauptfigur das Ausmaß des Problems noch nicht überschaut, so zeigt sich doch deutlich, hier ist der Punkt, an dem sich die Dinge für sie ändern. Hätte sich die Hauptfigur an dieser Stelle anders entschieden, wäre die Geschichte eine andere.

Akt Eins Problem oder Erster Plot Punkt

Der erste Plot Punkt katapultiert die Hauptfigur in den zweiten Akt des Buches. Das Problem in Plot Punkt Eins gibt der Figur etwas zu tun, setzt ein Ziel und eine Wahl muss getroffen werden. Es ist der erste Schritt der Hauptfigur auf dem Weg zum Höhepunkt des Buches. Es ist auch das erste Mal, dass der Einsatz bedeutend erhöht wird.
Die Wahl der Hauptfigur ist an diesem Punkt das entscheidende. Sie muss wählen, zu handeln. Höhere Mächte können sie an diesen Punkt getrieben haben, aber hier muss die Figur entscheiden, etwas zu tun. Dieses etwas zwingt sie aus ihrer Komfortzone, ihrem normalen Leben, und wirft sie in eine unbekannte und oft beängstigende Situation. Aber dieser Schritt ins Unbekannte ist zwingend notwendig für die Entwicklung der Geschichte und der Charakterentwicklung (siehe dazu auch mein Artikel über das Plot Embryo).

Akt Zwei: Die Mitte oder Versuch und Irrtum das Problem zu lösen, bzw. den Wunsch zu verwirklichen

Der zweite Akt, oder die Mitte, nimmt ca. 50% der Geschichte ein. Die Hauptfigur verlässt ihre bekannte Welt und betritt Neuland. Sie muss sich einer Reihe von Herausforderungen stellen und sie meistern um zu erhalten, was sie möchte. Sie kämpft und verliert mehrmals um die Lektion zu lernen, die sie braucht um in Akt Drei den Gegner zu besiegen.
Ein guter Mittelteil zeigt die Schwierigkeiten und das Wachstum, verknüpft den Hauptstrang mit den Nebensträngen und wirft lässt die unterschiedlichen Konflikte aufeinander treffen. Jeder Hinweis, jede Entdeckung und jede Aktion bringen die Haupfigur näher an das Desaster am Ende von Akt Zwei. Sie begann vielleicht mit einem gewissen Maß an Gewissheit, dass sie es meistern wird, aber als die Dinge immer weiter außer Kontrolle geraten, wachsen Unsicherheit und Selbstzweifel, bis die Hauptfigur kurz davor steht, aufzugeben.

Akt Zwei beinhaltet typischer Weise diese drei Schlüsselmomente:

Akt Zwei Die Wahl

Die Wahl ist ein Übergangsmoment, der von Akt Eins in Akt Zwei führt. Die Hauptfigur stellt sich dem Problem und versucht es zu lösen. Die Art, für die sich die Figur entschiedet das Problem anzugehen, entscheidet darüber, wie sich der Plot weiterentwickelt.
Das Problem muss groß genug sein, denn es trägt den Plot über die erste Hälfte des Mittelteils bis zum Mittelpunkt der Geschichte. Meist scheitert die Figur, den sie hat noch nicht gelernt, was es braucht um zu gewinnen.
Die Wahl in Akt Zwei ist auch ein wichtiger Schritt in der Charakterentwicklung der Hauptfigur, denn ihr Makel zieht sich als ihre Schwäche durch den Mittelteil der Geschichte. Die Figur ist noch nicht in der Lage zu erkennen, was sie tun muss um die zu werden, die sie sein möchte.

Mittelpunkt Erkenntnis

In der Mitte der Geschichte hat die Hauptfigur eine Erkenntnis über sich. Etwas Unerwartetes geschieht und das ändert ihre Sichtweise auf sich und die Welt. Diese Erkenntnis verändert ihren Plan und befördert die Geschichte in die zweite Hälfte des zweiten Aktes.
Ein gelungener Mittelpunkt erhöht den Einsatz um eine persönliche Komponente und offenbart ein bisher verborgenes Problem. Manchmal erfordert er ein Opfer, sei es eine persönliche Einstellung oder den Verlust eines Verbündeten. Manchmal ist es alles auf einmal.
Der Moment muss bedeutend genug sein um die Geschichte von der Mitte bis zu ihrer 75% Marke zu tragen.

Akt Zwei Desaster oder Zweiter Plot Point

Am Ende von Akt Zwei lauert das Desaster auf die Hauptfigur. Der Moment in dem alles falsch läuft für sie und ist meist das Resultat des Versuchs alles richtig zu stellen am Mittelpunkt. Der große Plan, den Tag zu retten geht schief und die Hauptfigur steht schlimmer da, als irgendwann sonst in der Geschichte. Die Einsätze werden erneut erhöht und die Hauptfigur wird über das, was sie ertragen kann, hinausgetrieben.
Eine unangenehme Wahrheit, der sich die Hauptfigur nicht stellen wollte, wird ans Licht gebracht. Eine neue Information wird aufgedeckt und die Lösung der Aufgabe wird unmöglich.
Die Hauptfigur ist am Ende, findet aber die Kraft weiterzumachen. Sie realisiert, um Erfolg zu haben, muss sie sich dem Stellen, wovor sie die ganze Zeit Angst hatte.

Akt Drei: Das Ende oder Lösung des Problems oder Verwirklichung des Wunsches auf eine bedeutsame Weise

Das Ende ist die letzten 25% der Geschichte. Die Hauptfigur stellt sich ihrem Gegner. Sie benutzt das, was sie im Lauf der Geschichte gelernt hat, um den Gegner zu überlisten und zu besiegen. Ihr Kampf wird beendet und (meist) gewinnt die Hauptfigur, dann wird die Geschichte zu Ende gebracht und dem Leser wird gezeigt, wie die Veränderung, die die Figur erfahren hat, sich auf ihre gewohnte Welt auswirkt.

Akt Drei beinhaltet typischer Weise diese drei Schlüsselmomente:

Akt Drei Der Plan

Nachdem die Figur tief in sich emotionale Stärke gefunden hat, weiterzumachen, entwirft sie einen Plan, bei dem sie auf das zurückgreift, was sie im Lauf der Geschichte gelernt hat. Sie weiß nun, wer sie ist und was sie tun muss und hat den Mut und die Entschlossenheit danach zu handeln.
Obwohl der Plan meist unerwartet für den Leser ist, ist es doch das, was die Hauptfigur von Anfang an hätte tun sollen. Er muss auch nicht bis ins Detail vorab dargestellt werden, oder am Ende funktionieren. Wichtig ist, dass die Hauptfigur davon überzeugt ist. Ist der Höhepunkt erst einmal erreicht, kann sie gezwungen werden, den Plan zu ändern und sich adhoc etwas neues einfallen zu lassen.

Höhepunkt

Der Höhepunkt ist der finale Showdown mit dem Gegner. Die Hauptfigur stellt sich wem oder was auch immer, dass ihr Leben auf den letzten 300 Seiten ins Chaos geworfen hat und weil sie XYZ über den Verlauf der Geschichte gelernt hat, gewinnt sie (oder verliert auf spektakuläre Weise, wenn das die Art Buch ist, die Du schreibst). Diese Erkenntnis ist auch das, was ihr von vorneherein im Leben gefehlt hat. Was auch immer geschieht, hier wird der Hauptkonflikt, der in auslösenden Ereignis begann, gelöst.
Auf dem Höhepunkt wird der Einsatz ein letztes Mal erhöht und bindet das Thema der Geschichte erneut mit ein um dem Schluss eine gewisse Tiefe und Bedeutung zu geben.

Auflösung

Die Auflösung ist das Happy End der Geschichte, oder die Apokalypse, falls Du das im Sinn hattest. Sie bestätigt dem Leser, dass er seine Zeit nicht vergeudet hat.

Was eine Struktur dieser Art besonders wertvoll macht, ist, dass ihre Elemente alles sein können, was Du möchtest. Die Struktur ist wie ein Rahmen, an den man die Geschichte hängt und kennst Du bewährte Wendepunkte, kann sie Dir helfen, zu entscheiden, welche Ereignisse geschehen müssen um aus Deiner Geschichte die bestmögliche zu formen.
Strukturen helfen Dir auch Löcher in der Handlung zu finden und weisen Stellen aus, an denen die Einsätze erhöht werden müssen. Plot Strukturen sind als Karte zu verstehen, die einem den Weg weisen, die Szenen und Probleme, auf die gestoßen wird, sind ureigens die, deiner Geschichte.

Wie wär’s mit einer Übung?

Strukturiere Deine Geschichte, bzw. Dein Lieblingsbuch oder -film mit Hilfe der Drei Akt Struktur.

Wie immer hoffe ich, ich konnte Dir Werkzeug an die Hand geben, um Deine Texte bewusst zu gestalten. Ich freue mich von Dir zu lesen!

Genie ist Geduld!

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