Für Schriftsteller

Gefühle im Text – Entfessle die fünf Sinne!

Gefühle im Text - die Sinne

Gefühle sind im Text unverzichtbar, um das Gelesene im Kopf des Lesers zum Leben zu erwecken und die Geschichte mit Bedeutung zu füllen. Wie angekündigt, stelle ich in meinem heutigen Beitrag heraus, was der Autor über Gefühl im Text wissen muss, um diese Effekte beim Leser hervorzurufen. Beim Erstellen bin ich allerdings zu der Ansicht gelangt, dass das Thema mehr als einen Beitrag trägt. Daher beginne ich heute mit den fünf gängigen Sinnen und wie wir sie im Text entfesseln können. ?  Nächste Woche ergänze ich das Thema Gefühle im Text, um einen weiteren Beitrag, der sich mit der Darstellung von Gefühlen in den unterschiedlichen Textbausteinen (der Dialog mit Gedanken und der literarischer Erzähltext) beschäftigt.

Aber zunächst klären wir die grundlegende Frage:

Welche Sinne lassen uns fühlen?

Als erstes müssen wir uns im Klaren darüber werden, welche Gefühle wir ausdrücken wollen. Der Mensch verfügt über jede Menge Sinnesorgane um seine Umwelt wahrzunehmen, unter anderem den Sehsinn, den Gleichgewichtssinn und die Wahrnehmung der Temperatur.

Sollte Deine Figur kein Mensch sein, sondern ein Tier, kommen weitere Sinne hinzu, oder fallen weg. Auch bei Fantasielebewesen steht dem Autor jede Möglichkeit offen, eigene Sinne zu erfinden und dem Leser durch den Text mitzuteilen, wie das Wesen seine Umwelt wahrnimmt, aber das könnte ein ganz eigener Beitrag werden. ? Ich werde mich im Rahmen dieses Beitrags mit den fünf, von Aristoteles proklamierten, Sinnen beschäftigen, da sie beispielhaft für alle Möglichkeiten stehen können und den meisten als erste in den Sinn kommen ;P Es sind Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Wer Interesse hat, kann sich hier über weitere Sinne informieren.

Sehen

Der Sehsinn ist für uns Menschen wohl der wichtigste Sinn, was nicht bedeutet, dass wir automatisch alles was wir sehen in Worten auf Papier bannen. Vielmehr ist es das erste, was uns in den Sinn kommt, wenn wir beschreiben. Aber gerade das ist auch eine Herausforderung. Es gibt mehr zu sehen, als weiße Rosen und den Typen vor dem Kiosk. Wir können ganze Stimmungslagen in unserem Gegenüber allein durch unseren Sehsinn erkennen. Wie ist die Haltung des Mannes, starrt er auf den Boden mit hängenden Schultern, oder hält er sich aufrecht?

Schau hin und dann schau genau hin. Was siehst du? Was siehst du nicht? Und ganz wichtig: Was bedeutet es?

Hören

Eine beliebte Form Geräusche in Text zu bannen, ist die Onomatopoesie oder Lautmalerei, also Wortbildungen aus Naturlauten, zum Beispiel das Summen der Bienen, Kuckuck oder Interjektionen, wie Peng. Es macht besonders Spaß, wenn man sich seine eigenen Lautmalereien ausdenken kann. ?

Geräusche müssen auch nicht nur außerhalb unseres Körpers wahrnehmbar sein. Manchmal nehmen sie die Form von Gedanken oder Stimmen an. Manche Geräusche sind wahr, andere Lügen. Es gibt Geräusche, die dem Leser sofort verraten, wo sich die Figur befindet und was sie tut. Auch ohne, dass wir es in den Text schreiben.

Auch beim Hören müssen wir richtig Hinhören lernen, um die Realität unserer Figuren auf die Seiten zu bannen. Als ich hier sitze und schreibe, höre ich das Gluckern des Katzenbrunnens, das stete Summen des Monitors und die CD mit der Gute Nacht Geschichte meiner Kinder, die noch in einem ihrer Zimmer läuft. Die Geräusche eines ruhigen Abends.

Hast Du deine Umgebung schon abgehört? Oder die Umgebung Deiner Figuren? Und hast du schon entschlüsselt, was Dir diese Geräusche verraten?

Riechen

Gerüche werden oft mit gut oder schlecht bewertet, aber auch Gerüche können Geschichten erzählen. Wer kennt das Buch Das Parfüm von Patrick Süskind? ?

Wenn wir eine Szene mit Gerüchen, die die Figur umgeben, visualisieren, gewinnt die Szene eine weitere Dimension. Gerüche können Essen, Körpergeruch, das Wetter, einen Raum, oder eine Situation beschreiben.

Versuche selbst Gerüche, die Du entdeckst zu beschreiben.

Schmecken

Eine weitere Möglichkeit den Leser mit Details für die Geschichte zu faszinieren, ist den möglichen Geschmack von etwas zu beschreiben, oder was dieser Geschmack für die Figur bedeutet. Es mag den einen oder anderen gruseln, aber eine beliebte Art Geschmack zu beschreiben, funktioniert über Metaphern.

Wenn eine Figur in der Geschichte in einen schrumpeligen Apfel hineinbeißt, aber den Geschmack als honigsüße Freiheit empfindet, wirft das ein ganz eigenes Licht auf das, was die Figur gerade erlebt und wer sie ist. Der Leser bekommt Erinnerungen und Emotionen aus dem Leben der Figur, was eine tiefe Verbindung ermöglicht.

Gibt es Geschmäcke in Deinem Leben, die Erinnerungen und Gefühle in Dir wecken? Gibt es diese im Leben Deiner Figuren?

Fühlen

Um zu beschreiben, wie sich etwas anfühlt, stehen Unmengen von Adjektiven zur Verfügung. Es ist wichtig, nicht nur die physikalische Beschaffenheit zu beschreiben, sondern ebenso das, was nicht sichtbar ist. Die verschiedenen Aspekte, die berührt werden, nicht nur mit den Händen. Erinnerungen, Ängste, Sehnsüchte. Auf den Ursprung des Fühlens gehe ich, in meinem Beitrag über Emotionen auf allen Ebenen näher ein. Hier sei gesagt, dass wir auch unser Fühlen genau beobachten müssen und hinterfragen sollten, welche tiefere Bedeutung Fühlen haben kann.

Wie entfesselt man nun die fünf Sinne im Text?

Wie Du wahrscheinlich gemerkt hast, liegt der Schlüssel für die Sinneseindrücke in der Frage, die dahintersteht. Was sehen, fühlen, riechen, hören, schmecken die Figuren und was bedeuten diese Empfindungen für sie und die Situation in der sie sich befinden?

Sobald Du die Sinneswahrnehmungen im Text beschrieben hast, fragt Dich: Was bedeuten sie? Was erzählt es dem Leser über die Figuren und ihre Welt?

Es geht nicht darum den Leser mit unnötigen Details zu verwirren, sondern mit wohl platzierten Worten, die fünf Sinne zu benutzen, ihn in die Geschichte zu ziehen und subtil die Dinge spüren zu lassen, die wirklich vor sich gehen.

Übung

Nach langer Zeit, kommt hier mal wieder eine kleine Übung für Dich.

Begebe Dich an einen Ort Deiner Wahl (ein Cafe, dein Garten, der Kinobesuch). Nimm Dir ein Notizbuch und 15 Minuten Zeit, die Eindrücke mit allen Sinnen zu beschreiben. Dabei überlege Dir, welche Bedeutung haben die Details für Dich?

Wie immer hoffe ich, ich konnte Dir Werkzeug an die Hand geben, um deine Texte bewusst zu gestalten. Ich freue mich von Dir zu lesen!
Ella

Verliebe Dich in den Prozess, nicht in das Ergebnis!

Photo by Aaron Burden on Unsplash

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1 Comment

  1. Lisa
    26. Februar 2018 at 11:29

    Hallo Ella,
    Gefühle in Geschichten sind sehr wichtig.
    Ich weiß, dass ich in jungen Jahren niemals meine Geschichten so geschrieben hätte, wie ich es heute tue.
    Andere können Ratschläge geben, von ihren Erfahrungen berichten, doch es ist kein Ersatz für die eigenen Gefühle.
    Eines ist auch sehr wichtig, was viele außer Acht lassen, Lebenserfahrung.
    Ohne die bleibt die Geschichte tot. Wie soll ein junger Mensch etwas beschreiben, wenn er es nicht kennt? Wie soll er über gewisse Gefühle schreiben, wenn er nicht in der Lage ist, sie sich vorstellen zu können? Egal, ob es ein Krimi, ein Kinderbuch, oder wie bei mir, eine Fantasy-Geschichte ist, man braucht viel Fantasie im Kopf.
    Ich muss vorher keine Drogen genommen haben, um darüber schreiben zu können, wenn ich mir vorstellen kann, was für Gefühle in meiner Figur vorgehen, wenn sie zu einem Entzug gezwungen wird. Doch es gibt viele Menschen, denen fehlt die Vorstellungskraft.
    Das wundert mich nicht, bei der heutigen Technik, die dafür sorgt, dass die Menschen sich voneinander entfernen. Da müssen ja die Gefühle abstumpfen.
    Liebe Grüße, Lisa

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