Für Leser

Grüne Welle

Grüne Welle

Eine neongrelle Sonne schärft jeden Schatten, jeden Riss im ausgetrockneten Boden. Die gleißende Wüste brennt Nina in den Augen. Der Sonnenbrand spannt und schmerzt. Durst. Ihr Verstand kämpft mit einer Lösung für das Dilemma. „Iwan!“ Sein Name kratzt durch ihren Hals. Hinter ihr zeichnet sich dunkel eine todbringende Welle am Horizont ab. Es rast direkt auf sie zu. Orangeroter Staub zittert vor dem Ansturm über magenta-roten Stein. Die Zeit verglüht. Die Welle wird sie bald erreicht haben.

Die gleißende Wüste brennt Nina in den Augen.

Doch Nina blickt nach vorn. „Wohin? Denk nach! Denk nach! Verdammt!“ Nina Kalienkowa, die gerissenste Grabräuberin im Universum, hat bisher jede noch so schwierige Lage gemeistert. Sie blickt über die ausgetrocknete Ebene. Die dunkelroten Gipfel in der Ferne sind unerreichbar. Nirgendwo ist Deckung. „Iwan!“ Ihre Zunge ein ausgetrockneter Lappen. Nina hält den Beutel fest umklammert. Sein zerbrechlicher Inhalt protestiert gegen den Druck. Sie wird es schaffen. Sie hat alles dafür riskiert.
Als sie sich umdreht, sieht sie , dass sie allein ist. Anstatt ihr zu folgen, rennt er auf die Todeswelle zu. Verzweifelt versucht er, die defekte Plasma Sphäre zu erreichen, mit der sie gekommen sind, den einzigen Zufluchtsort weit und breit – aber kaputt. Fliehen kann man damit nicht mehr.

Sie jagen uns.

Treuloser Bastard! Das ist Meuterei! Hinter dem Verrat rast der Horizont in Form einer gigantischen Welle springender Amphibien auf sie zu. Der Anblick verzerrt die Realität; raubt ihr den Verstand. Es ist unglaublich. Sie jagen uns.

Verdammter Techniker! Der hat durch sein Gebastel die Sphäre überhaupt erst kaputt gemacht! Blinde Wut treibt sie ihm nach. Es war meine Entscheidung zu Fuß zu fliehen! Er muss MIR folgen! ICH bin sein verdammter Kapitän! Sie rennt so schnell sie kann. Zu Iwan. Zur Sphäre. Dem Tod entgegen.
Gott, was macht der da? Verdammt! Komm zurück, damit ich Dir nachher den Arsch aufreißen kann, du Sack! Die tödliche Welle hat ihn erreicht. Das tobende Meer aus grünem Tod verschluckt ihn mitsamt der Sphäre. Es trifft Nina, wie ein Hieb in den Magen. „NEIN!“ Der Schock raubt ihr jede Kraft.
Aus vollem Lauf fällt sie auf ihre Knie und schlittert zu einem Halt. Nur wenige Meter vor dem grünen Bollwerk. Der Beutel entgleitet ihr und öffnet sich. Wie leuchtend bunte Kristalle, rollen kostbare Phiolen klirrend durch den Staub. Sie vibrieren vor Energie.

Der Boden zittert unter ihrem Körper. Der Lärm macht sie taub. Das Quaken vieler Millionen Frösche ist überall. Sie sind über ihr. Die ersten Kröten treffen ihre sonnenverbrannten Arme wie Hagelgeschoße. Die schiere Masse des Ansturms, stößt sie nieder, nimmt ihr den Atem, quetscht sie auf den Boden. Sie schreit als ihre Rippen und Beine unter dem Gewicht brechen. Es kommt kein Laut. Ihre Lungen sind leer. Ihr Mund verstopft. Sie verliert das Bewusstsein. Schwärze. Plötzliche Stille.

Wie leuchtend bunte Kristalle, rollen kostbare Phiolen klirrend durch den Staub.

Dann zerbirst die Welt in gleißendem Licht. Es schleudert sie zurück durch die Zeit an den Punkt, an dem ihre Entscheidungen einen Unterschied machen könnten.

Zwei Tage zuvor blickt Nina triumphierend auf die verblichenen Seiten des Almanachs. Jetzt weiß sie, wo sie die Zeitphiolen, gefüllt mit entarteter Materie aus dem Ereignishorizont des Schwarzen Loches von XP3625, suchen muss.
„Iwan, nimm Kurs auf das verbrannte Land! Wir fliegen in den Tartarus!“ „Aye, Kaptain!“

 

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