Routinezombie

Routine Zombie Büro Arbeit

„Tust du eigentlich was in den Kaffee?“ Nikolaus Feddersen schlürfte an der Tasse lauwarmen Filterkaffees, die ihm sein Kollege fast täglich aus der Kaffeeküche mitbrachte. „Der schmeckt immer komisch. Sicher, dass du das Kochen nicht wieder jemand anderem überlassen willst?“

„Dir schmeckt er also auch nicht? Ich mach bei dir eine Prise Kaffeegewürz mit Kardamom rein. Das soll gut sein für den Blutdruck.“ Jörn lächelte breit, als Feddersen die Kinnlade runterfiel.

„Den hab‘ ich von der Importmesse, dort ist ein toller Gewürzstand. Kommt direkt aus Tansania! Der Verkäufer hat extra für mich eine Kaffeegewürzmischung zusammengestellt, aber es ist nicht mein Fall. Dachte, dass es was für dich wäre.“ Er zuckte mit den Schultern.

„Na schönen Dank auch!“ Feddersen schüttelte den Kopf und stellte die Tasse klirrend ab. Er trank das Zeug jetzt aus Höflichkeit schon seit zwei Wochen!

„Hätte ja sein können.“ Jörn lächelte entschuldigend. „Das Zeug war teuer und ich wollte es nicht verkommen lassen. Und da dachte ich an dich und wie sehr du Abwechslung liebst.“ Er lachte laut auf und verschwand schnell aus der Tür.

Feddersen schüttelte sich. Jörn war ein Idiot. Wie kam er darauf, dass er Abwechslung brauchte? Hier zeigte sich mal wieder, dass dieses Experimentieren mit neuen Sachen nichts brachte. Feddersen wusste genau, was ihm schmeckte , und er sah keinen Fehler darin. Er rührte im Kaffee und nahm unvermittelt einen weiteren Schluck. Kardamom . Das musste er googeln, aber erst nach der Arbeit.

Leseprobe Routinezombie - Mann mit Kaffee

„Na schönen Dank auch!“ Feddersen schüttelte den Kopf und stellte die Tasse klirrend ab. Er trank das Zeug jetzt aus Höflichkeit schon seit zwei Wochen!

Photo by Andrew Neel on Unsplash

„Sie sehen blass aus “, meinte Willy Otremba, der Busfahrer der Linie 60 besorgt, als Feddersen vergaß, wie sonst üblich auf seinem Heimweg, ein paar Worte über das Wetter mit ihm zu wechseln.

Feddersen zuckt mit den Schultern und dachte bitter, dass gegen Willy jeder blass, wie ein lebender Toter aussah. Dann verfiel er wieder in sein Grübeln. Wann war er eigentlich das letzte Mal an der Sonne gewesen? Der verdammte Berliner Winter wurde auch immer länger! Er schmeckte den Kardamom auf der Zunge.

„Waren Sie schon mal in Tansania, Herr Otremba?“

„Nein, aber in Benin.“

Das sagte Feddersen nichts. „Ist sicher sonniger dort als hier.“

„Ja, da haben Sie Recht.“

Dann verfiel er wieder in sein Grübeln. Wann war er eigentlich das letzte Mal an der Sonne gewesen? Der verdammte Berliner Winter wurde auch immer länger! Er schmeckte den Kardamom auf der Zunge.

Photo by Pau Casals on Unsplash

Feddersen setzte sich auf den gleichen Platz wie jeden Abend, aber anstatt Zeitung zu lesen, suchte er im Internet nach Kardamom und Tansania. Als er die Wikipedia-Einträge dazu gelesen hatte, schaute er noch schnell, wo Benin lag. Die Wiege des Voodoo. Verrückt!

Von der Bushaltestelle aus lief er durch die bekannten Straßen. Er wusste sogar, wie viele Schritte er bis zur nächsten Kreuzung brauchte. In den Fenstern der parkenden Autos sah er seine geisterhafte Reflexion. Wie ein Zombie, kam ihm der Gedanke. Ihm fiel auf, heute brauchte er fünf Schritte mehr als sonst bis zur Kreuzung Lindenallee.

Zuhause angekommen schaltete er wie gewohnt den Fernseher ein, zappte durch die Serien auf Netflix. The Walking Dead, iZombie, ZNation hatte er alle schon mehrmals gesehen. Heute schien ihm alles öde. Er saß auf seinem Sessel und spürte, wie sein Blut in den Beinen langsam zu stocken begann. Er war doch schon so gut wie tot. Da klopft es an der Tür und er fuhr zusammen.

Es kostet ihn einige Kraft, sich aus dem Sessel zu lösen. Als er die Tür endlich öffnete, war niemand dort. Nur ein warmer Luftzug strich an seiner Wange vorbei in die Wohnung. Verwundert schloss er die Tür wieder. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, es war Zeit zu Bett zugehen.

Anders als sonst, konnte er nicht einschlafen. Feddersen lauschte ins Dunkel. Wurde sein Herzschlag langsamer? Er macht die Nachttischlampe an und betrachtete seinen Arm. War er jemals so blassgrau gewesen? Laut all der Serien wurde man durch einen Virus zum Zombie. Hat ihn jemand vergiftet? Schweiß brach unvermittelt aus. Warum kam sein Kollege seit Wochen jeden Tag bei ihm vorbei und brachte ihm diesen scheußlichen Kaffee? Warum hatte er den getrunken? Wie viel Zeit hatte er noch? Ihm war übel. Aber er lag wie angekettet auf seinem Bett und konnte sich nicht rühren. Etwas lief falsch, vollkommen falsch. Er brauchte einen Arzt!

Anders als sonst, konnte er nicht einschlafen. Feddersen lauschte ins Dunkel. Wurde sein Herzschlag langsamer? Er macht die Nachttischlampe an und betrachtete seinen Arm. War er jemals so blassgrau gewesen?

Photo by Christian Lue on Unsplash

Da hörte er deutlich Schritte im Flur und erstarrte. Panik rauschte durch seinen Körper. Die Schlafzimmertür öffnete sich wie von Geisterhand. Mit übermenschlicher Anstrengung schaffte er es, sich aufzusetzen. Eine dunkle Gestalt kam herein. Das Blut gefror Feddersen in den Adern. Otremba! Als er von der Bettkante aufspringen wollte, stieß ihn Otremba zurück. „Ruhig, mein Freund. Du bist schon so gut wie übergetreten. Kämpfe nicht dagegen an. Du wirst heute Nacht sterben und ich werde dich wiedererwecken. Hab keine Angst, es wird sich nichts ändern. Alles bleibt bei deiner Routine. Morgen bist du wieder an deinem Platz im Büro. Nur deine Zweifel werden verflogen sein. Du wirst mir gehören. Du wirst glücklich sein.”


Beitragsbild von Jordan Whitfield auf Unsplash

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